Bonner Stadtgespräche

Menschen kennenlernen, die Bonn gestalten. Das ist das Motto der neuen Veranstaltungsreihe „Bonner Stadtgespräche“ des Forums Stadt Bau Kultur Bonn. Wir wollen Menschen vorstellen, die das Erscheinungsbild Bonns und das Zusammenleben in der Stadt maßgeblich beeinflussen. Egal ob aus aus Politik und Verwaltung, aus Unternehmen, Organisationen oder der Zivilgesellschaft, egal ob prominent oder weitgehend unbekannt. In einem eineinhalbstündigen Gespräch soll der jeweilige Gesprächspartner /die jeweilige Gesprächspartnerin im Mittelpunkt stehen. In der zweiten Hälfte dieses Gesprächs, gibt es die Gelegenheit für Besucherinnen und Besucher auf einem freien Stuhl auf der Bühne Platz zu nehmen und sich am Gespräch zu beteiligen. Es geht darum, die Person kennenzulernen, ihr zuzuhören, wenn sie erzählt, ihr Fragen zu stellen, was sie mit Bonn verbindet und warum sie sich in und für Bonn engagiert.

Zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Bonner Stadtgespräche“ des Forums Stadt Bau Kultur laden wir die derzeit bekannten Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister / zur Oberbürgermeisterin Bonns ein. Lissi von Bülow von der SPD (15.1.20), Katja Dörner von Bündnis 90/Die Grünen (5.2.19) und Ashok Sridharan von der CDU (18.3.20) haben dankenswerterweise zugesagt, den Auftakt zu unterstützen.

Die Gespräche finden statt im Pavillon des Forum Stadt Bau Kultur, Budapester Straße 7 in Bonn und werden moderiert von Michael Lobeck, Vorsitzender Forum SBK (promediare.de).

Die Teilnahme ist kostenfrei. Um eine Spende für Getränke wird gebeten.

Eine Anmeldung ist erforderlich. Ohne Anmeldung ist eine Teilnahme nicht möglich.

Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Volkshochschule Bonn.

Bonner Stadtgespräch mit OB-Kandidatin Katja Dörner, Bündnis 90/Die Grünen, am 5.2.2020

Am 5. Februar findet das zweite Bonner Stadtgespräch statt, dieses Mal im Pavillon des Forums Stadt Bau Kultur Bonn. Rund 50 Besucher*innen sind gekommen, um bei dem Gespräch zwischen Michael Lobeck, Vorsitzender Forum SBK, und Katja Dörner, Bonner OB-Kandidatin der Grünen, dabei zu sein.

Zum Auftakt fragt Michael Lobeck Katja Dörner, wie sie denn eigentlich Bundestagsabgeordnete geworden sei. Sie berichtet daraufhin von ihrer Kindheit im Westerwald mit einem CDU-Politiker als Vater. Nach den Diskussionen der 90er Jahre um Asylrecht und die Ausschreitungen in Hoyerswerda, Mölln und Solingen entschied sie für sich, dass sie politisch einen anderen Weg einschlagen möchte. Nach ihrem Politik-Studium folgten Tätigkeiten in der Grünen Bonner Ratsfraktion, im NRW-Landtag sowie die Wahl zur Bundestagsabgeordneten.

Auf die Frage, warum sie nun vom Bundestag als OB-Kandidatin zurück nach Bonn möchte, antwortet sie, dass diese Entscheidung schon lange gereift sei. Sie findet Vieles in Bonn zu langsam, ist mit Einigem nicht zufrieden und ist überzeugt, dass Bonn mehr kann. In Berlin werden zwar wichtige Fragen geklärt, aber vieles wird auch lokal entschieden, zum Beispiel die Verkehrswende oder die Frage, wie wir unsere Gesellschaft zusammenhalten.

Ihre kommunalpolitische Erfahrung sieht sie gegeben über ihre Mitarbeit bei der Bonner Grünen Ratsfraktion, ihre Bonner Bürgersprechstunde und ihr Engagement vor Ort, zum Beispiel zum Bonn-Berlin-Gesetz oder beim Mieterbund.

Michael Lobeck zitiert den Bonner General Anzeiger sinngemäß mit der Frage, dass Katja Dörner eine realistische Chance habe, aber ob sie denn den „Tanker“ der Bonner Verwaltung steuern könne? Katja Dörner traut sich das zu. Sie setzt dabei auf einen guten Austausch mit dem Verwaltungsvorstand und auf Teamarbeit. Sie denkt, das Problem liege vielleicht eher beim Gestalten als beim Verwalten.

Katja Dörner hält bezahlbaren Wohnraum für DIE soziale Frage in der Stadt. Noch 2009 war es kaum Thema in ihrer Sprechstunde, mittlerweile kommen viele Fragen dazu, oft von Alleinerziehenden und Rentner*innen. Sie findet, dass mit dem Beschluss zum Anteil sozialen Wohnungsbaus ein guter Anfang gemacht wurde, es jetzt aber gilt ihn umzusetzen. Sie schlägt auch vor, eine Milieuschutzsatzung (s. Wikipedia) zu diskutieren. Dörner sieht, dass manchmal ein Spannungsfeld besteht zwischen Wohnraumschaffung und Naturerhalt, und plädiert dafür, den einzelnen Fall zu betrachten und jeweils genau zu differenzieren. In der Frischluftschneise Messdorfer Feld braucht man ihrer Meinung nach nicht über Bebauung sprechen. Da die Flächen für neuen Wohnraum in Bonn fast ausgeschöpft sind, spricht sie sich für mehr Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis aus.

Beim Verkehr als großem Hebel für den Klimaschutz sieht sie grundsätzlich sehr großen Veränderungsbedarf. Bislang orientiert sich die Verkehrspolitik stark am Auto. Ihrer Meinung nach muss das anders werden, die Autos sollten raus aus der Innenstadt und man sollte die Frage stellen, wem der Platz auf den Straßen gehört. Sie sieht in dieser Debatte aktuell eine große Resonanz und viel Möglichkeit zur Veränderung, nachdem das früher kaum denkbar gewesen wäre. Ihre konkreten Vorschläge hierzu sind der Ausbau des ÖPNV, die Fortsetzung des LEAD City Projekts, Radschnellwege z.B. auf dem Tausendfüßler und auch große Projekte wie die Seilbahn und die Fuß- und Radwegbrücke über den Rhein. Bei der Frage nach den ÖPNV-Preisen spricht sie sich dafür aus, als erste Priorität eine bessere Zuverlässigkeit und Taktung zu erreichen sowie ein einheitliches Ticket für Schüler*innen anzubieten.

„Was ist toll in Bonn?“ – „Der Karneval, das Internationale, die rheinische Art.“

„Welches sind Ihre Lieblingsorte?“ – „Der Hofgarten, der Drachenfels, meine Badewanne.“

„Wenn nicht Bonn, welche Stadt dann?“ – „London“

Auf die Frage nach ihrem Knowhow zum Thema Wohnen verweist Katja Dörner auf ihren Vorsitz beim Mieterbund und ihre bundespolitische Arbeit. Für sie liegt die Frage weniger darin, was hier zu tun ist, sondern wie man es politisch durchsetzen kann. Sie setzt außerdem auf die Dezernent*innen der Stadt und darauf, Fachleute und Bürger*innen einzubeziehen. Sie findet, dass Bonn schon mal deutlich weiter war bei der Bürgerbeteiligung. Sie sieht viele gute Ideen der Verbände und Initiativen in Bonn, „für kleine und große Bäume“, aber nicht ausreichend Resonanzboden in der Verwaltung, um sie zu voranzubringen. Das zu ändern hat sie sich auf die Fahnen geschrieben.

Michael Lobeck fragt nach, was denn anders sein sollte als bei den bestehenden Beteiligungsverfahren in Bonn, z.B. bei Bonn-macht-mit und B-Plänen? Katja Dörner kritisiert, dass die Ergebnisse der Bäderumfrage zerredet und zu wenig zur Kenntnis genommen wurden. Auch beim Verfahren zum Bürgerhaushalt hätte sie sich eine positivere Begleitung durch die Verwaltung und die Politik gewünscht. Sie stellt die Frage, warum die Fridays for futures noch nicht ins Stadthaus eingeladen wurden.

Im Anschluss an das Gespräch zwischen Michael Lobeck und Katja Dörner besteht für die Besucher*innen wieder die Möglichkeit, auf einem dritten Stuhl auf dem Podium Platz zu nehmen und selber Fragen an Katja Dörner zu stellen.

Als erstes wird die Gelegenheit von einem Teilnehmer genutzt, der in der Verkehrspolitik aktiv ist. Seiner Meinung nach leidet die Politik der Grünen unter der Jamaika-Koalition und er stellt die Frage, ob eine solche Koalition wieder in Frage käme. Katja Dörner findet, dass auch über eine Koalition die Bürger*innen entscheiden. Ihr Ziel ist es, dass Bonn eine Grüne Oberbürgermeisterin bekommt und die Grünen stärkste Ratsfraktion zu werden, um die eigenen Inhalte möglichst gut vertreten zu können. Aber sie sagt auch, dass es wichtig ist, sich nicht festzulegen, sondern nach der Wahl so zu entscheiden, wie und mit wem die Grünen ihre Inhalte gut umsetzen können. Auf die Frage nach einer Minderheitenkoalition entgegnet sie, dass das für sie auf Dauer keine realistische Variante ist, spätestens wenn es gilt über einen Haushalt abzustimmen braucht man eine Koalition.

Eine weitere Frage aus dem Publikum zielt auf die Punkte Bürgerbüro, Beethovenhalle und Bonn als UN-Stadt. Katja Dörner möchte Bonn als UN-Stadt stärken. Das ist ihr auch im Kontext Bonn-Berlin wichtig. Hier gilt es, die Sitze von BMZ, BMU in Bonn zu halten, da der UN zugesichert wurde, dass diese Ankerministerien in Bonn bleiben. Um ein weiteres Abwandern nach Berlin zu verhindern, möchte sie Bonn als UN Stadt klar verankern. Die Nachrichten zur Beethovenhalle haben auch sie schockiert, sie denkt, dass diese Entwicklung so nicht absehbar war. Sie findet den Weg zu teuer und zu lang, denkt aber dass man am Ende trotzdem etwas Wichtiges in der Hand hat, für Beethoven und andere Events. Bei den Bürgerämtern fragt sie sich, warum es diesen Schwung von Problemen gibt. Ihrer Meinung nach muss man gucken, wo man in der Verwaltung Personal einsetzt. Diese Leistungen sind wichtig für das Vertrauen in die Stadt, in die Verwaltung und in den Staat. Sie stellt infrage, ob die Personaleinsparungen der letzten Jahre immer richtig waren, z.B. dass der OGS Ausbau nicht funktioniert, weil Planung und Ausbau der Schulen nicht vorankommen.

Ines Knye, Vorsitzende des Bund Deutscher Architekten BDA, thematisiert die Stagnation in Bonn, die gegenseitige Hemmung von Verwaltung und Politik bei Projekten, die auf den Weg gebracht werden sollen. Als Beispiele nennt sie die Stadtentwicklungsgesellschaft, die trotz Beschluss nicht von der Verwaltung umgesetzt wird und auf der anderen Seite die Planung von Viktoria Carrée und Rahmenplan Bundesviertel, zu denen durch die Politik keine Entscheidung getroffen wurde. Sie stellt die Frage wie man das in Bonn ändern könnte. Die Grünen befürworten die Stadtentwicklungsgesellschaft, so Katja Dörner. Sie denkt, dass es wichtig ist, dass jemand an der  Spitze der Verwaltung steht, der dann auch dafür sorgt, dass solche wichtigen Beschlüsse auch umgesetzt werden. Als weiteres Beispiel nennt sie auch Radwege, die nicht umgesetzt werden. Sie will nicht versprechen, dass so etwas nie mehr vorkommt, will aber mit Druck dafür sorgen, dass Beschlüsse auch umgesetzt werden. Ines Knye fragt nach, wie im Anschluss an gute Verfahren mit Bürgerbeteiligung und Einbindung von Fachleuten, Beschlüsse auch umgesetzt werden können. Katja Dörner findet, dass in so einem Fall auf Rat und Kommunalpolitik eingewirkt werden muss. Sie sieht allerdings auch Fälle, bei denen ihrer Meinung nach mehr Kommunikation und eine frühzeitigere Einbindung der Betroffenen ein konstruktiveres Klima geschaffen hätten, um Ärger inmitten des Prozesses zu vermeiden. Michael Lobeck fragt, welchen Spielraum hierfür eine Oberbürgermeisterin hat. Katja Dörner ist davon überzeugt, dass man als Oberbürgermeisterin Handlungsspielraum hat, zusammen mit dem Verwaltungsvorstand Dinge in Bewegung zu setzen – dafür ist man Verwaltungsspitze. Ihr wird von Verbänden und Initiativen gespiegelt, dass es an Druck aus der Verwaltungsspitze fehle, zum Beispiel beim Verkehr, sodass die Dinge nicht Bewegung kommen. Daher findet sie es durchaus wichtig, wer an der Spitze steht. Sie hat den Eindruck, dass auch der Verwaltungsvorstand gerne mehr umsetzten möchte, darauf möchte sie setzen. Natürlich geht es auch um die Frage nach Ressourcen. Hier muss über Kapazitäten gesprochen werden und eine sinnvolle Priorisierung vorgenommen werden.

Eine Teilnehmerin fragt danach, wie man die Bonner*innen zum Umsteigen bewegt, wie man sie dabei mitnimmt und wie der ÖPNV zur leichten Wahl anstelle des Autos werden kann. Für Katja Dörner ist bei anstehenden Entscheidungen eine breite Beteiligung und Einbindung wichtig, um die Bonner*innen dafür zu gewinnen, zum Beispiel wenn es um eine autoarme Innenstadt geht. „Alles was keinen Dreck macht“, muss ausgebaut werden. Neben dem Ausbau des ÖPNV braucht es eine Radinfrastruktur, zum Beispiel Radwege quer durch die Stadt. In Bezug auf die Preise des ÖPNV sieht Katja Dörner den Autoverkehr nicht als günstige Variante, da er für die Gesellschaft hohe Umweltbelastungen und weitere Kosten verursacht. Politische Aufgabe ist es für sie, eine Wende zu schaffen, mit der umweltverträglicher Verkehr die beste und auch günstigste Variante wird.

Katja Dörner hält es auf Bundesebene für realistisch, dass Venusbergtunnel und Ennertaufstieg nicht kommen, da diese Projekte nicht mehr vorrangig sind und daher nicht zeitnah geplant und finanziert werden. Dafür hatten sich die Grünen auch lange eingesetzt.

Die nächste Frage zielt auf die Finanzierung, wie man bei knappen Kassen neue Projekte initiiert und  Investitionen tätigt. Katja Dörner sieht Bonn haushalterisch auf einem guten Weg. Sie möchte an dem Ziel festhalten, zeitnah ohne zusätzliche Schulden auszukommen. Sie differenziert hier aber zwischen Investitionen und konsumtiven Ausgaben. Ihrer Ansicht nach macht es großen Sinn, das aktuelle Zinstief zu nutzen, um relevante Investitionen zu tätigen, zum Beispiel beim Verkehr. Bei den konsumtiven Ausgaben sollte man weiterhin sparsam sein. Sie möchte keine „tabula rasa“ bei der Kultur, sie ist für viele Menschen in Bonn wichtig und identitätsstiftend. Eventuell bestehen hier Möglichkeiten der Kooperation mit Köln oder neue Fördermöglichkeiten. Sie thematisiert auch die Zusatzeffekte mancher konsumtiven Ausgaben: So refinanzieren sich laut einer Studie des DIW der Ganztagsausbau zu 80% durch die Erwerbstätigkeit der Frauen, die dadurch arbeiten gehen können.

Michael Lobeck bedankt sich sehr bei Katja Dörner und beim Publikum, der Abend klingt bei weiteren Gesprächen gemütlich aus.

Bonner Stadtgespräch mit OB-Kandidatin Lissi von Bülow, SPD, am 15.1.2020

Der Saal ist mit ca. 70 Besucher*innen gut gefüllt. Auf dem Podium stehen drei Stühle, die zunächst leer bleiben. In der Begrüßungsansprache weist Dr. Ingrid Schöll, Leiterin der Volkshochschule Bonn, darauf hin, dass die VHS ein Ort der Begegnung und der Kommunikation ist und die VHS deshalb diese Gesprächsreihe unterstützt, also keine Wahlkampfveranstaltung. So ist es auch von den Akteuren des Vereins Forum Stadt Bau Kultur e.V. gedacht: mit den Bürger*innen ins Gespräch kommen und Personen vorstellen, die die Stadt gestalten, im Besonderen dann, wenn sie eine führende Position innehaben. Gleichlautend beginnt Michael Lobeck, Vorsitzender des Forums SBK, die Gesprächseinführung und bittet Lissi von Bülow auf das Podium. Der dritte Stuhl bleibt für Teilnehmer*innen aus dem Publikum frei, die aufgefordert sind, sich in der Halbzeit der Veranstaltung mit Fragen an die OB-Kandidatin zu wenden.

Nach zunächst privat gestimmten Fragen erfährt das Publikum einige Details über Musikleidenschaften im Hause von Bülow und die adelige Herkunft, die für Lissi von Bülow selbst überhaupt keine Rolle spielt. Schon der Vater war ein anerkannter Politiker in Bonn und das Elternhaus mit drei Geschwistern sehr diskussionsfreudig. Nach dem Jurastudium war Lissi von Bülow zunächst in der Familienberatung tätig und hat zeitnah an der Gründung einer Kindertagesstätte mitgewirkt und später als Geschäftsführerin für den Trägerverein gearbeitet. Der eigenen Selbsteinschätzung folgend, dass sie gut und präzise analysieren könne und die Fähigkeit besäße, für das entsprechende Problem zügig eine Lösung zu finden, entstand den Wunsch, in der Kommunalpolitik aktiv zu werden und „etwas zu machen“. So ist sie nach Erfahrungen in der Bundesfinanzverwaltung seit drei Jahren „mit Leib und Seele“ Sozialdezernentin in Bornheim.

Obwohl die Grundwerte der SPD „Solidarität, Weltfrieden und Gleichberechtigung“ zeitlos seien, sieht Lissi von Bülow bei den aktuellen politischen Aufgaben eine parteiübergreifende Zusammenarbeit als alternativlos an, gerade und insbesondere in Bonn, wo es darüber hinaus auch innerparteilich starke ortsteilgebundene Interessen gebe. Ihrer Meinung nach muss ein Konsens über Zielvereinbarungen an den Anfang gestellt werden, um dann Projekte im Einzelnen in diesen Zusammenhang einordnen zu können und beschlussfähig zu sein. Gerade bei der Schaffung von zusätzlichem sozialen Wohnraum sei dies dringend geboten, aber genauso bei der anstehenden Verkehrs- und Mobilitätswende.

Auf die Frage, ob sie sich bei einer polarisierenden Diskussion mit betroffenen Bürger*innen für die Wohnung oder den Baum entscheiden würde, antwortet Lissi von Bülow mit einem Sowohl-als-auch. Aus eigener Erfahrung aus vielen Bürgergesprächen ist sie der Meinung, dass die Partikularinteressen der Anwohner oft vordergründig sind und nicht die gesamtstädtischen Interessen widerspiegeln, z.B. den Beschluss der gewählten Vertreter*innen der Politik. Diesen Knoten sollte man in gemeinsamen Gesprächen zu lösen versuchen. Auch der Rat solle hier stärker zielorientiert arbeiten und sich, unabhängig von Koalitionsbindungen, bei so wichtigen Themen von Mehrheitsentscheidungen leiten lassen.

Auch die Geschlechtergerechtigkeit spiele aktuell immer noch eine wichtige Rolle, nehme sogar noch an Bedeutung zu. Lissi von Bülow weist darauf hin, dass nur ungefähr fünf Prozent der bundesweit gewählten Oberbürgermeister*innen weiblich sind. Wenn künftig alle Parlamente in den unterschiedlichsten öffentlichen Gremien paritätisch besetzt wären, würde das jedenfalls die tatsächlichen Gesellschaftsverhältnisse adäquat widerspiegeln.

Gefragt, ob es seitens der Kandidatin bei den aktuellen fünf Themenfeldern „Wohnen, Bildung, Klima, Verkehr und Bauen“ eine Vorrangstellung gäbe, antwortet Lissi von Bülow, dass natürlich alles miteinander zusammenhinge. Jedoch sei festzustellen, dass das Thema Klima und hier insbesondere das Stadtklima eine Art Katalysatorwirkung habe. Die Dramatik der aktuellen Veränderungen böte aber auch die Motivation, neue Wege zu gehen und mehr zu riskieren. Auch hier solle die Kommune zeitig anhand von Konzepten entscheiden, welche der noch verfügbaren Flächen wie bebaut werden können und welche als Grünräume frei zu halten seien. Ein Stückwerk an Einzelentscheidungen sei nicht der richtige Weg. Im Gegenteil müsse die gesamte Region in diese Stadtentwicklungsthemen mit einbezogen werden. Offensichtlich werde es vor allem beim Umgang mit dem Pendlerverkehr und dem notwendigen Ausbau des ÖPNV, aber auch den Schulstandorten und Gesundheitszentren.

In der anschließenden offenen Runde werden Fragen aus dem Publikum gestellt, auf die Lissi von Bülow ausführlich eingeht. Ihr sei bewusst, dass unter dem Thema Inklusion sowohl eine Eingliederung in den Beruf, d.h. auch in die Verwaltungsarbeit, zu leisten sei, als auch eine älter werdende Gesellschaft mit Mobilitätseinschränkungen verstärkt Beachtung bei der Gestaltung der Stadträume brauche. Sie unterstütze und achte das Ehrenamt, ohne das ein gesellschaftliches Leben und der Zusammenhalt in der Gesellschaft kaum möglich wären. Sie werde sich dafür einsetzen, dass sachkundige Bürger*innen, die z.B. im Bürgerbeteiligungsausschuss vertreten sind, stärker eingebunden werden und die Entscheidungsfindung von Politik transparent dargestellt werde.

In der Aufgliederung in vier starke und selbstbewusste Stadtbezirke sieht Lissi von Bülow eine Chance. Die Stärkung der dezentralen Struktur böte den Vorteil, dass vor allem auch öffentliche Einrichtungen auf kürzeren Wegen erreichbar seien. Natürlich gelte es, den Erhalt von Bürgerzentren, Bädern, Bibliotheken etc. mit dem Finanzhaushalt der Stadt in Abstimmung zu bringen. Dies solle jedoch auch vor dem Hintergrund geschehen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft und Identität in den einzelnen Stadtteilen zu stärken.

Auch zu einzelnen Vorhaben gab es Nachfragen. So wurde auf den Widerspruch aufmerksam gemacht, einerseits den „Tausendfüßler“ sechsspurig auszubauen und andererseits den Stadtverkehr in der Reuterstraße auf Tempo 30 zu reduzieren. Lissi von Bülow stellt klar, dass der Ausbau des Radverkehrs Vorrang haben müsse. In Bezug auf den Radschnellweg entlang der Autobahn habe die Verwaltung zu schnell nachgegeben. Hier müsse es künftig mehr Spielraum geben, Projekte, die vor ca. 20 Jahren beschlossen wurden, an aktuelle Forderungen und Wertevorstellungen anzupassen.

Abschließend fasst die OB- Kandidatin zusammen, dass es für die Ausfüllung dieses Amtes elementar wichtig sei, dass der/die OB sich vor die Verwaltung stelle und für ein vertrauensvolles Miteinander zwischen Verwaltung und Politik werbe, deren Arbeit stets zielorientiert sein müsse. Der Kompromiss müsse wieder „gefeiert“ werden.

Bericht: Ines Knye, Vorstandsmitglied im Forum Stadt Bau Kultur Bonn

Auftaktveranstaltung am 24. Juni 2017

Mit der Auftaktveranstaltung am Samstag, den 24. Juni 2017, hat sich das Forum Stadt Bau Kultur Bonn e.V. erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Ashok Sridharan, Dr. Hanna Hinrichs von StadtBauKultur NRW und Nikolaus Decker, Vorsitzender des Forums SBK, folgte ein buntes Programm mit face-to-face-Gesprächen, Architekturbesichtigung und Kunst-Aktion. Rund 60 Bürger*innen haben an der Veranstaltung im und vor dem Pavillon an der Budapester Straße, den die Stadt Bonn dem Forum SBK für seine Aktivitäten überlässt, teilgenommen.

Das Forum Stadt Bau Kultur möchte eine Plattform bieten, auf der die Bonner Bürger*innen über Stadtentwicklung diskutieren und Anregungen geben können. Mit den face-to-face-Gesprächen zwischen ganz unterschiedlichen Gästen sollte verdeutlicht werden, dass Stadtentwicklung ein Thema ist, das jeden angeht. Die gebaute Umwelt umgibt uns täglich und beeinflusst unser Gefühl von Lebensqualität auf entscheidende Weise. Wenn wir als Stadtgesellschaft gemeinsam lebenswerte Stadträume schaffen und erhalten wollen, müssen alle Beteiligten miteinander reden.

Bei der Auftaktveranstaltung hat das Forum SBK deshalb immer zu einem Thema zwei Gesprächspartner zusammengeführt: Nobert Alich, Kabarettist, und Sigurd Trommer, ehemaliger Bonner Stadtbaurat und Präsident der Bundesarchitektenkammer a.D., sprachen über „Stadtbaukultur – was ist das?“. Clara Arnold, Studentin, Anwohnerin und Aktivistin Viktoriakarree, tauschte sich mit dem Lokalchef des General-Anzeigers Andreas Baumann über die Fragen „Wer bringt sich ein die Stadtentwicklung? Wer macht sonst noch mit?“ aus. Das Thema „Wurde Stadtbaukultur bisher vernachlässigt?“ diskutierten Carolin Krause, Sozialdezernentin der Stadt Bonn, mit Prof. Rolf Westerheide, Architekt in Aachen und Vorsitzender des Bonner Städtebaubeirats. Der Frage „Wer plant unsere Stadt?“ gingen Regina Stottrop, Architektin und Stadtplanerin sowie stellvertretende Vorsitzende des hauses der architektur köln, und Stadtbaurat Helmut Wiesner nach. Moderiert wurden die Gespräche von Susanne Schimanowski-Wagner vom Radio Bonn/Rhein-Sieg.

An der Besichtigung des „Haus der Bildung“ unter Führung von Alexander Koblitz von kleyer.koblitz.letzel.freivogel architekten Berlin haben rund 30 Interessierte teilgenommen.

Vor dem Pavillon führten Studierende der Alanus Hochschule Alfter unter der Leitung von Prof. Benedikt Stahl und Andrea Klaßen eine Kunst-Performance durch. Auf der mit Packpapier ausgelegten Fläche wurden die Körperumrisse der Studierenden, die sich dort niedergelegt hatten, skizziert, ausgeschnitten und mit Sprühkreide markiert. So entstand auf dem Vorplatz das Abbild liegender Menschen.

Die Aktion, die die Wichtigkeit von Kunst im öffentlichen Raum unterstreichen wollte, demonstrierte, wie schnell sich ein Platz umgestalten lässt. Die Vergänglichkeit der Sprühkreide betonte gleichzeitig, dass Plätze immer auch einem Wandel unterworfen sind.

Die Auftaktveranstaltung war für das Forum Stadt Bau Kultur Bonn e.V. ein Erfolg: Die zahlreichen Teilnehmenden, die Berichterstattung in der Presse, die Gewinnung von drei Neu-Mitgliedern und 24 Newsletter-Abonnenten bestärken das Forum SBK, engagiert im Herbst mit weiteren Aktivitäten in die Bonner Öffentlichkeit hineinzuwirken.

Bericht: Yola Thormann, Vorstandsmitglied und Geschäftsführerin im Forum SBK